Mittwoch, 16. November 2016

Stillstand und Abbruch

Nicht nur mein Blog ist in den letzten Monaten zum Stillstand gekommen - erst fehlte mir neben dem Beruf, der Familie und meinen beiden Ehrenämtern die Zeit, dann hatte ich versehentlich Fotos gelöscht -, sondern leider auch die Lesestunde mit meinem Lesepatenkind.
Bis zu den Sommerferien haben wir eigentlich Fortschritte gemacht und ich war sehr hoffnungsvoll. Zwar las mein Lesepatenkind unverändert schlecht bzw. es erriet mehr, was da eventuell stehen könnte, aber an anderer Stelle gab es deutliche Veränderungen. Mein Lesepatenkind hatte Zutrauen gefasst, es redete, es erzählte, es stellte Fragen, es sprach mit mir über das, was wir gelesen hatten, und vor allem: Es verstand, was wir lasen.
Da mein Lesepatenkind sich nach wie vor am liebsten vor dem Lesen drückte und schnell erlahmte, brachte ich auch immer etwas zum Spielen mit, was irgendwie mit Lesen und Buchstaben in Zusammenhang stand. Das klappte meist ganz gut. Immer wieder fiel mir dabei auch auf, dass mein Lesepatenkind eigentlich recht clever ist und gut denken kann, denn es konnte Zusammenhänge erkennen und Schlussfolgerungen ziehen.

Dann kamen die Sommerferien und danach konnte die Lesestunde nicht mehr in der Sportstunde stattfinden, denn die Klasse hatte Schwimmunterricht. Also vereinbarte ich mit der Lehrerin und diese mit dem Eltern, dass ich mein Lesepatenkind um 14 Uhr von der OGS abhole und es nach der Lesestunde um 14.45 Uhr nach Hause geht.
Und damit nahm das Unheil seinen Lauf.
Denn auf einmal hatte mein Lesepatenkind immer ausgerechnet an dem Tag, an dem die Lesestunde stattfinden sollte, einen Termin und musste schnell nach Hause gehen. Oder die Eltern holten es einfach kurz vor der Lesestunde von der OGS ab, obwohl die Lehrerin sie inständig bat, das nicht zu tun. Zwischendurch waren noch Herbstferien, und so fanden bis jetzt im November gerade mal zwei Lesestunden statt. Das hatte natürlich keinen Sinn mehr.

Mich hat das ziemlich fassungslos zurückgelassen. Die Eltern haben ganz eindeutig die Lesestunde torpediert und ihrem Kind so die Chance auf eine positive Veränderung genommen. Sie haben ihm damit auch signalisiert: Das ist ja alles nicht so wichtig. Wie soll unter solchen Umständen auch nur ansatzweise Chancengleichheit entstehen? Die Lehrerin hat sich wirklich bemüht, ich habe mich bemüht, das Kind ist langsam aufgetaut und hat seine Fähigkeiten zwischendurch aufblitzen lassen - das, was mit Geduld und Zeit und Förderung möglich gewesen wäre - und die unwilligen Eltern haben es zunichte gemacht.

Ich muss das erst mal verdauen.
Gleichzeitig freue ich mich auf mein neues Lesepatenkind. Ich hoffe, wir werden eine längere Zeit miteinander haben, ohne solche Steine im Weg.

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